THE OTHER CHELSEA


Alexei und Nikolai, zwei Kohlekumpel in ihren Fünfzigern, leben in Donetsk im Osten der Ukraine, der Hauptstadt des Kohlebeckens Donbass. Trotz ihres Alters arbeiten sie zur Aufbesserung ihrer Rente noch in einer Grube, die schon bessere Tage gesehen hat. Seit Jahren sucht der staatliche Betrieb einen Investor, aber bisher interessiert sich keiner der Lokaloligarchen für die Kohlevorkommen. Das Grubenkollektiv versucht Schritt zu halten mit dem politischen und wirtschaftlichen Wandel in ihrem Heimatland, doch will dies nicht richtig gelingen. Alexei tröstet sich an seinem Lieblingsort, dem Fußballstadion von Shakhtar Donetsk, in das er seit seiner Kindheit einen Stammplatz hat. Im Stadion prallen Welten aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Sowjetvergangenheit und der Kapitalismus der Oligarchen. Der reichste unter ihnen, Rinat Achmetov, pumpt seit Jahren Millionen in den Club.
Ob arm oder reich, ob nostalgische Kommunisten oder neureiche Kapitalisten, alle haben sie eins gemeinsam: Einen großen Stolz auf ihre Region und ihrer Arbeitertradition. Alle sprechen sie Russisch, verfluchen die orangene Revolution und verabscheuen nichts mehr als ukrainischen Nationalismus.

CAST
Nikolay Alexandrovich Levchenko
Alexander Borisovich Shukin
Vladimir Stepanovich Kiyan
Valentina Griogorievna Sulko
CREW
Regie: Jakob Preuss
Kamera: Eugen Schlegel, Pavel Kazantsev, Roman Yelensky, Maxim Kuphal-Potapenko, Philipp Gromov
Schnitt: Felix Korfmann, Markus CM Schmidt, Philipp Gromov, Lena Rem
Ton: Oleg Goloveshkin
Produzent: Stefan Kloos
Produktion Management: Tina Naber & Caroline Kirberg
Musik: Dominik Sprungala
Sounddesign & Mixing: Raimund von Scheibner
Animation: Stephan Flint Müller
Produktion: Kloos & Co. Medien GmbH Berlin in Zusammenarbeit mit ZDF „Das kleine Fernsehspiel“
Mit Unterstützung von: Sundance Documentary Film Program, Robert Bosch Stiftung, Media Programme of the European Union
Redakteurin: Milena Bonse

„Eine Dokumentation voller ästhetischer Spielfreude“ F.A.Z.
„Ein neugieriger Blick auf einen Mikrokosmos und ebenfalls ein Wirtschaftsthriller der anderen Art, dem man unbedingt einen deutschen Kinostart wünscht.“ Kölner Stadtanzeiger
„Eine vielschichtige Gesellschaftsanalyse liefert [Regisseur Jakob Preuss], indem er den sozialen und politischen Niedergang der ukrainischen Minenarbeiterstadt Donezk dem internationalen Erfolg des vom örtlichen Oligarchen gesponserten Fußballvereins gegenüberstellt.“ Tagesspiegel
„Preuss hat keinen Fußballfilm gedreht, sondern ein kritisches Porträt einer Stadt, in der die Gesellschaft immens und immer weiter auseinanderdriftet. Und doch ist es auch einer glücklichen Fügung des internationalen Fußballs zu verdanken, dass The Other Chelsea so gelungen ist.“ Süddeutsche Online
„Die Ukraine, ein Land in der Zerreißprobe? Gespalten in einen „guten“ Westteil, der der „Orangenen Revolution“ zum Sieg verhalf, und einen bösen Osten, wo die Ewiggestrigen der alten Sowjetunion nachweinen? So könnte man denken, wenn man die politischen Ereignisse der jüngsten Zeit verfolgt. Aber wie so oft ist die Wirklichkeit vielschichtiger, wie Dokumentarfilmer Jakob Preuss in seinem beeindruckenden The Other Chelsea beweist, der beim Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken zu Recht den Dokumentarwettbewerb gewann.
Jakob Preuss gelingt das Kunststück, den Zuschauer für eine Region zu interessieren, über die sich kaum etwas Spannendes erzählen lässt. In kluger Beschränkung konzentriert sich Jakob Preuss auf wenige Protagonisten. Obwohl man vermuten kann, welcher Seite die Sympathien des Filmemachers gelten, zeichnet Jakob Preuss ein erfreulich differenziertes Bild. Ihm geht es spürbar nicht um eine Einteilung in Gut und Böse, sondern darum, Informationen zu liefern über eine Region, die im Westen kaum bekannt ist. Und die historischen und kulturellen Hintergründe zu beleuchten, die für die Vorbehalte gegenüber der Orangenen Revolution verantwortlich sind. Das gelingt ihm auf eine erfrischend unterhaltsame Art. Mit liebevoll eingestreuten Animationen macht er die Verhältnisse anschaulich, ohne sie unzulässig zu vereinfachen. kino-zeit.de
“Der Film beschreibt mit leichter Hand eine komplexe Welt, in der Macht und Korruption, aber auch menschliche Wärme und Miteinander den Alltag bestimmen.” Jury Max Ophüls Preis
„Der Film „The Other Chelsea“ erzählt seine Geschichte aus dem Kohlestädtchen Donezk wie eine russische Matroschkapuppe: In jeder Figur steckt noch eine weitere. Da ist die amüsante Story vom unaufhaltsamen Aufstieg des ukrainischen Clubs an die Weltspitze, da ist die tragische Liebe der Bergleute zu ihrer maroden Kohlegrube, da ist der ehrgeizige Emporkömmling Kolja Lewtschenko und sein Selfmade-Verständnis von Demokratie und Gerechtigkeit. Sie alle nimmt der Regisseur Jakob Preuss unter die Lupe, ohne sie je im Brennglas einer überheblichen Kritik zu versengen. Jury First Steps
„Der Regisseur lässt sich mit Beharrlichkeit und neugierigem Blick auf diesen Mikrokosmos ein und schafft es so, die Geschichten packend und mit großer Intensität zu erzählen. Dabei balanciert der Film geschickt mit den verschiedenen Perspektiven und zeigt, dass es nicht nur eine, alles erklärende Wahrheit gibt. Im Gegensatz zum oft einseitig westlich geprägten Blick gelingt es hier, nuancenreich und vielschichtig die aktuelle gesellschaftliche Situation zu schildern. Eine ebenso verspielte wie konzentrierte Montage und Bilder, die Raum für Assoziationen schaffen, machen den Film fit für die große Leinwand.“ Jurybegründung Max Ophüls Preis 2011

INFO

Dokumentarfilm, Deutschland 2010 (88 min./54 min.)
Regie: Jakob Preuss
Produktion: Kloos & Co. Medien GmbH Berlin in Zusammenarbeit mit ZDF „Das kleine Fernsehspiel“
Weltvertrieb: Rise and Shine World Sales
Ausgewählte Festivals 2010/2011: Zürch Film Festival, International Documentary Filmfestival Amsterdam, One World Prague
Auszeichnungen 2011: Max Ophüls Preis, First Steps Award
http://www.theotherchelsea.com/index.php