DIE HAUT MEINES VATERS (AT)

In Entwicklung | Ein Film von Till Passow

Was passiert, wenn ein tätowierter Mensch stirbt? Der menschliche Drang, etwas der Nachwelt zu hinterlassen führt bei so Manchem zu dem Wunsch, seine Haut an die Nachkommen zu vererben. Woher kommt diese Sehnsucht? Ist sie der ultimative Tabubruch oder ein nachvollziehbares Bedürfnis? Eine subjektive Reise zu Tattoo-Ikonen und ihren Erben, hinein in die Welt und die Kunst der Tätowierung.

  • SYNOPSIS

    “Lebenslang + sechs Monate“ ist ein bei Tätowierern beliebter Aphorismus zur Haltbarkeit von Tattoos. Doch dieser ist nicht ganz korrekt, denn zahlreiche Sammlungen tätowierter Haut auf der ganzen Welt beweisen das Gegenteil. Seit Tätowierkunst zum Mainstream geworden ist, bemühen sich immer mehr Menschen darum, ihre Tätowierungen zu bewahren. Firmen bieten an, tätowierte Haut vom Körper von Verwandten zu entfernen und sie einzurahmen. Celebrities und Künstler suchen nach juristischen Schlupflöchern, um ihre Tätowierungen der Nachwelt zu hinterlassen. Geht es hier nur um den ultimativen Tabubruch oder um ein plausibles Bedürfnis der Tätowierten, an die Nachfahren weiterzugeben, was ihnen wichtig ist?

    Was verraten uns die 105 großflächig tätowierten Häute, die in der Fukushi-Sammlung der Universität Tokio versteckt gehalten werden, über die japanische Tätowierungskultur? Was ist mit anderen historischen Tattoo-Sammlungen – wie und warum sind diese Sammlungen entstanden? Was ist es genau, das die Menschen dazu bringt, ihre Tätowierungen weiterzugeben?

    Um auf diese Fragen Antworten zu finden, wird sich Filmemacher Till Passow mit seinem japanischen Freund Hide treffen. Er zählt zu den besten Tätowierern weltweit und will die tätowierte Haut seines verstorbenen Vaters, eines ehemaligen Yakuza-Mitglieds, erben. Till will seine Motivation verstehen. Und er begleitet ihn auf seiner Reise nach Japan, wo Hide ihm seinen Lehrmeister vorstellt und Till damit Zugang in die japanische Unterwelt gewährt.

    Dazu bestand Hide auf einen Deal: Till lässt sich zum ersten Mal selbst tätowieren. Ein Vertrauensbeweis. Eine Frage der Ehre. Wenn Till ihm das erlaubt und einen Ort findet, wo seine tätowierte Haut postmortal erhalten bleibt, wird Hide ihm Zugang zur Yakuza-Mafia verschaffen, mit deren Traditionen die Tätowierkunst in Japan eng verbunden ist. Durch diese persönliche Erfahrung erhält Till die Chance, mehr über die japanische Tradition der Erhaltung tätowierter Haut zu erfahren. Artefakte und Themen, die einen Bezug zum Tod haben, übten schon immer eine starke Anziehung auf ihn aus. Und so ist er bereit dazu, Grenzen zu überschreiten und sich für diesen Film seinen Ängsten zu stellen.

    In der Zwischenzeit begleitet Till den Tätowierer Hanky Panky – eine Legende aus Amsterdam – auf seiner Suche nach einer Möglichkeit, seine tätowierte Hand an seine Tochter weiterzugeben. Gemeinsam werden sie die Welt bereisen, Sammlungen und Museen besuchen und nach einem Ort suchen, an dem jeder von ihnen seine tätowierte Haut spenden könnte.

    Für eine nicht tätowierte Person ist der Wunsch, tätowierte Haut an einen Verwandten weiterzugeben, schwer zu verstehen. Warum scheint es bei tätowierten Menschen anders zu sein? Wird sich Tills eigene ambivalente Einstellung zur Entfernung und Erhaltung tätowierter Haut ändern (immerhin hat er 50 Jahre gut auch ohne Tattoo gelebt), nachdem er die Sammlungen gesehen hat und mich selbst hat tätowieren lassen?

    DIE HAUT MEINES VATERS ist eine subjektive Reise in die Welt der Subkulturen, Mythen, Abgründe und Hypes der Tätowierungskunst. Eine skurrile Kulturgeschichte, die sich mit den Themen Sammeln und Bewahren beschäftigt und die uns dazu einlädt, über so relevante Themen wie dem Recht am eigenen Körper und den Umgang mit menschlichen Überresten nachzudenken.

  • REGISSEUR

    Till Passow studierte Film- und Fernsehregie an der Filmuniversität Babelsberg und machte dort 2004 seinen Abschluss mit dem Dokumentarfilm MAST QALANDAR (Der Ekstatische). Der Film wurde auf 54 internationalen Filmfestivals gezeigt und erhielt 12 Auszeichnungen, darunter den Deutschen Kurzfilmpreis in Gold für den besten Dokumentarfilm (2005) und den Golden Gate Award des International Film Festival San Francisco. Sein Dokumentarfilm HOWRAH HOWRAH wurde auf 52 internationalen Festivals gezeigt und erhielt 14 Auszeichnungen, darunter bester Kurzdokumentarfilm des International Film Festival Woodstock, Nominierung der IDFA und besondere Erwähnung der FIPRESCI. Till Passow lebt in Berlin

  • CREDITS

    Buch & Regie
    Till Passow

    Kamera
    Axel Schneppat

    Editor
    Markus Schmidt

    Produzent
    Stefan Kloos

  • FÖRDERUNGEN & PARTNER

    Entwicklung gefördert von:
    Creative Europe Programme – MEDIA of the European Union
    Medienboard Berlin-Brandenburg
    Crossing Borders vom European Documentary Network in Zusammenarbeit mit dem Documentary Campus