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TICKET ZUM MOND

 

Während die USA und die Sowjetunion um die Vorherrschaft im Weltall stritten, ließen sich in den späten 1960er Jahren fast 100.000 Bürger auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs bei der US-Fluglinie PanAm auf die Warteliste des „First Moon Flights“-Clubs setzen. Die Familie der Regisseurin Veronika Janatková besitzt ein solches Ticket zum Mond. Ihr Großvater hatte es 1969 in Prag gekauft. Nun spürt sie einige der potenziellen Mondfahrer von damals auf und erzählt humorvoll deren Geschichte – und die Geschichte von Visionen, die Menschen damals mit dem Weltall verknüpften und heute noch träumen.

 

Director’s Note:

Meine Familie besitzt ein Flugticket zum Mond. Mein Großvater hat es 1969 gekauft, im Verkaufsbüro von „Pan Am“ – Pan American World Airways – in der Pařížská Straße im Zentrum von Prag. Während die USA und die Sowjetunion um die Vorherrschaft im Weltall stritten, ließen sich fast 100.000 Bürger auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs bei der US-Fluglinie auf die Warteliste des First Moon Flights Club setzen. Fünf Jahre bevor der erste Mensch seinen Fuß auf den Mond gesetzt hat, eröffnete PanAm tatsächlich eine Warteliste für private Mondreisende. Auf dem Ticket mit der Moon Flights Club-Mitgliedsnummer 9772, das man meinem Großvater verkaufte, schreibt PanAm, dass man nicht wisse, wie lange man auf die Reise warten müsse (man rechnete aber mit dem Jahr 2000) und wie hoch der finale Preis sein würde. Aber man würde ihn auf dem Laufenden halten. Fast hunderttausend Menschen, darunter Prominente wie Ronald Reagan, sicherten sich auf diese Weise ihr Ticket zum Mond – bis PanAm die Liste am 3. März 1971 schloss. Der Mond und der Weltraum waren schon immer eine Projektionsfläche für Träume und Visionen. Seit mein Großvater zum ersten Mal das Ticket erwähnte, viele Jahre nachdem der eiserne Vorhang zerschnitten war, träume ich davon. Ich malte mir aus, wie er sich aufmachen würde zu dieser Reise an einen besseren Ort, wie ihn der Flug zum Mond lösen würde aus der Umklammerung der kommunistischen Tschechoslowakei. Bis heute frage ich mich: Welche Bedeutung hatte die reine Vorstellung einer möglichen Reise zum Mond für die Menschen damals – auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs? Humorvoll und visuell attraktiv spürt die Dokumentation DER CLUB DER MONDFAHRER (AT) einigen der noch lebenden Mondtouristen in spe nach und erzählt in Begegnungen und mit Hilfe von privaten und öffentlichen Archivmaterialien von den ganz privaten Weltraumutopien der Menschen auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs in der Zeit des Kalten Krieges. Durch diese Exkursion in „private Utopien“ schlägt der Film eine Brücke ins Heute; wir blicken auf uns: Welche (Weltraum-)Utopien sind uns geblieben? Die Zeit des Kalten Krieges ist vorbei, aber die Faszination für das Weltall ist ungebrochen. Gibt es in unserer Zeit aber überhaupt noch Raum für kollektive Träume und Utopien?

CREW

Regie: Veronika Jantaková
Drehbuch: Veronika Jantaková
Co-Regisseur & Kamera: Piotr Rosolowski
Schnitt: Till Steinmetz
Produzent: Stefan Kloos
Produktion: Kloos & Co Medien
Koproduktion: Pandistan, ZDF/ARTE
Verleih: Rise and Shine World Sales

INFO

Dokumentarfilm, Deutschland/ Tschechien 2019 (80min. / 52 min.)


Regie: Veronika Jantaková
Drehbuch: Veronika Jantaková
Ko-Regisseur & Kamera: Piotr Rosolowski
Produzent: Stefan Kloos
Produktion: Kloos & Co Medien